23. August 2015

Begegnungen, die einen zum Nachdenken bringen!



Am Wochenende war in der Kita des Kleinen Kindergartenfest und dort bin ich zum ersten Mal persönlich mit einem Thema konfrontiert worden, das gerade sehr aktuell ist und mich zum Nachdenken bringt.




Unter den vielen Eltern mit ihren Kindern war auch eine Flüchtlingsfamilie. Der Sohn ist in der gleichen Gruppe wie unser Sohn. Ich habe ihn schon oft gesehen und seine Eltern sehr selten auch. Aber wie das so ist. Man ist in Eile, grüßt schnell und muss weiter.


Diesmal war das anders.  
 
Es war etwas Zeit zum Reden und ich muss sagen, dass ich schockiert war. Der Vater hat mir erzählt, dass sie nun schon seit sieben Monaten in Deutschland leben und dies der erste Anlass war, an dem seine Frau einmal mit anderen wirklich Kontakt hatte. Das ist doch wirklich traurig, oder?


Absolut beeindruckt hingegen war ich von der Einstellung des Vaters. Er hat in diesen sieben Monaten richtig gut Deutsch sprechen gelernt. Sein Kurs dauert noch ein paar Monate und sollte er ihn gut abschließen, darf er hier arbeiten – was er auch unbedingt will! Auf die Frage, wie er es denn geschafft hat, so schnell Deutsch zu lernen, habe ich folgende Antwort bekommen. Er hat das Deutschbuch und schaut sich Videos auf Youtube an – ja, wahrscheinlich auf seinem Handy. Vielleicht hat er auch einen PC bekommen, worüber sich ja gerne einmal aufgeregt wird. Aber Hey… wenn das dann so toll genutzt wird, mit dem Ziel sich hier in Deutschland zu integrieren, wo ist dann das Problem? Ich bin mir sicher, dass das nicht alle, die sich darüber beschweren, selbst so machen würden. Und das ärgert mich maßlos. Wie kann man nur so missgünstig sein?


Ich war aber auch unsicher. Worüber spricht man? Man kennt die Kultur der Menschen ja nicht so gut und möchte niemandem auf den Schlips treten. Die Mutter des Jungen spricht leider überhaupt kein Deutsch, so dass es nicht möglich war, wirklich Kontakt zu ihr aufzunehmen. Das ist natürlich schade. Aber auch da hat mich der Kommentar des Vaters berührt: „Ihr tut es schon gut, einfach unter Menschen zu sein!“


Der Junge selbst hat sich mittlerweile prima im Kindergarten eingelebt und fängt nun schon an erste Wörter zu sagen. Kurz bevor wir gegangen sind, habe ich mit ihm gespielt. Wir haben uns gegenseitig einen Lastwagen hin- und hergeschoben. Er hatte solchen Spaß an diesem einfachen Spiel, dass er vor Freude gelacht hat. Und soll ich euch verraten, was an ihm anders war als an den anderen Kindern? NICHTS! Er hatte dasselbe Strahlen in den Augen, wie alle anderen Kinder auch, wenn sie spielen!


Diese ganze Situation beschäftigt mich wirklich, deshalb wollte ich euch unbedingt darüber berichten!


Habt ihr selbst Kontakt zu Flüchtlingsfamilien? Wie klappt das? Oder gibt es in eurer Gegend sogar Programme, um diese Familien zu integrieren?

Das interessiert mich wirklich und ich bin schon sehr gespannt auf eure Antworten!


Kommentare:

  1. Guten Abend Viola!

    Na da sprichst du tatsächlich ein Thema an, was mehr denn je aktuell ist. Ich bin so enttäuscht von der deutschen Gesellschaft, dass sie das zulässt, was wir gerade sehen: Brennende Flüchtlingsheime, randalierende Nazis und Kommentare auf Facebook, die einen erschaudern lassen. Meistens auch noch von denen geschrieben, die Bilder von Hunden aus dem Ausland teilen, die in Deutschland vermittelt werden sollen. Man muss immer daran denken, dass es sich hier um Menschen handelt, und zwar um Menschen, die Dinge erlebt haben, die man sich nicht ausmalen möchte. Vor allem die Kinder ...

    Bei uns um die Ecke wurden auch Container aufgestellt, in denen Flüchtlinge untergebracht sind und gestern kamen noch einmal 150 in einer Turnhalle an. Gerne würde ich mich einmal mit ihnen unterhalten, aber ich weiß offen gesagt gar nicht, ob das seitens der Stadt überhaupt erwünscht ist. Ich habe das Gefühl, dass die Flüchtlinge isoliert leben sollen. Wie gerne hätten wir die Kleidung und Spielzeuge persönlich mit den zwei Jungs abgegeben, aber es wurde extra darauf hingewiesen, dass es Probleme für die Flüchtlinge mit sich bringen kann, wenn man die Sachen nicht in der Sammelstelle abgibt. Dabei wäre es mir auch nicht um's Ego gegangen, sondern einfach darum, dass die Leute wissen: Hier sind welche, die sich für euch interessieren!
    Ich denke, dass wir bald einmal zu einer Unterkunft gehen und einfach mal versuchen, mit Leuten in's Gespräch zu kommen. Ich weiß sogar von Bekannten, die Flüchtlinge im Haus neben sich wohnen haben und Vorurteile hatten. Irgendwie hat es sich aber dann ergeben, dass sie mal einen Kaffee miteinander getrunken haben und das hat einiges verändert ...

    Ein wichtiges Thema! Vielleicht solltet ihr mal dran bleiben an der Familie :-)
    Viele Grüße und noch einen schönen Abend!
    Alex

    AntwortenLöschen
  2. Hi Viola, du schreibst genau über das, was mich in letzter Zeit sehr bewegt hat. Mir tun diese Menschen so unendlich Leid, was sie alles durch machen mussten und Schreckliches erlebt haben, Hunger, Gewalt, Unterdrückung...sie fliehen, wenn sie die Möglichkeit haben, auf kleinen Nussschalen mit Hunderten anderen Menschen monatelang in Todesangst über das offene Meer und kommen mit Glück, wenn sie nicht vorher qualvoll ertrunken sind, endlich in Europa an und werden dort weggeschickt oder verachtet.
    Man muss sich mal in diese armen Menschen hineinversetzen und Mitgefühl zeigen, viele denken nie darüber nach, wie gut sie es eigentlich in ihrem Land haben und wie schrecklich es anderen geht.
    Wenn ich ein Flüchtling wäre, wäre ich sowas von sauer auf alle die, die mich nicht in ihrem Land haben wollen würden, weil sie überhaupt nicht wissen, was ich alles durchgemacht habe. Diese Menschen wollen wie wir ein sicheres und schönes Leben führen, worauf meiner Meinung nach jeder Mensch ein Recht hat. Und wenn deren Heimatland dieses nicht ermöglicht, dann sollten sie andere Länder aufnehmen. Denn genau das, würde jeder von uns auch wollen, wenn wir in so einer Situation wären.
    Einfach mal in diese Leute hineinversetzen.

    Hier in Frankreich, besonders im Norden in Calais, campieren gerade Tausende Flüchtlinge, die durch den Eurotunnel nach England wollen, Frankreich verbietet dieses aber leider.
    Wir wohnen ja im Süden Frankreichs am Meer, aber trotzdem geht mir das total nahe. Wenn wir genug Zeit hätten, hätten wir schon längst eine Flüchtlingsfamilie bei uns aufgenommen. Wir haben wirklich genug Platz aber leider nicht genügend Zeit, uns um eine andere Familie zu kümmern, weil wir selbst bald lange von zu Hause weg sein werden.
    Ich würde das so toll finden, eine Familie bei uns aufzunehmen. Meine Mädels könnten mit den anderen Kindern spielen, ihnen Deutsch und Englisch beibringen, die andere Kultur versehen...ganz oft entstehen daraus lebenslange Freundschaften, weil diese Menschen einem einfach unendlich dankbar sind.
    Leider haben viele Menschen Angst vor fremder Kultur, deshalb wollen sie nicht, dass so viele Flüchtlinge in ihr Land kommen. Wir sind aber total offen für neue Kulturen, wir haben schon so viele Leute aus vielen Ländern getroffen und mit ihnen gelebt, für mich wäre das total toll. :)

    Bleib unbedingt mal an dieser Familie dran.
    Liebe Grüße, Julie

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...