23. Mai 2016

Erziehungsfragen im Supermarkt - ein Brief an eine Kundin



Ich wollte ja schon immer mal einen Brief an jemanden schreiben, der mir im Alltag aufgefallen ist. Und nun bekam ich dank einer älteren Dame endlich die Gelegenheit dazu ;-)


Was das mit Brot zu tun hat, werdet ihr gleich erfahren:
  

Liebe Kundin aus dem Supermarkt,


Sie haben mich heute beobachtet. Sie sahen, wie ich am Brotautomaten einen Laib Brot in eine Papiertüte packte und wie mein 2Jähriger daraufhin in lautes Gebrüll ausbrach, weil er von dem Brot essen wollte. Sie sahen auch, wie ich ihm ein Brötchen gab, das er partout nicht wollte und stattdessen auf Brot bestand. Das sahen Sie nicht nur, das hörten sie auch deutlich.

Nun ja, das muss sie veranlasst haben, sich mit den weisen Worten „Sowas sehe ich mittlerweile lockerer als früher. Geben Sie ihm doch ein Stück!“ an mich zu wenden. 


Soweit so gut. Dass Sie aber auf meine Antwort, er wolle nicht ein Stück Brot, sondern das Ganze, antworteten ich solle es doch mal ausprobieren, ließ mich schon etwas schlucken. Aber gut, ich war gut gelaunt und demonstrierte es Ihnen. Man soll es nicht für möglich halten, ich kenne meinen Sohn und als ich Anstalten machte, ein Stück Brot abzubrechen brüllte er noch lauter als zuvor. Für mich war an diesem Punkt die Sache erledigt.


Für Sie leider nicht, denn keine 2 Minuten später kamen Sie wieder auf uns zu und gaben meinem Sohn – ohne zu fragen! – gleich zwei Kekse mit dem Kommentar: „Dann muss er nicht mehr weinen, denn sonst muss ich gleich mitweinen!“


Damit haben Sie meiner Meinung nach eine Grenze deutlich überschritten! 

Denn auch wenn mein Sohn tatsächlich sehr laut und ausdauernd geweint hat, gibt Ihnen das nicht das Recht sich ungefragt derart einzumischen. Wie oben bereits erwähnt, ist mein Sohn zwei Jahre alt und befindet sich mitten in der Trotzphase. Er probiert sich gerade aus und braucht Grenzen. Meiner Meinung nach ist eine dieser Grenzen erreicht, wenn es darum geht, ob er nun das ganze Brot ansabbern darf oder nicht. Ich würde ja gerne ihre Reaktion sehen, wenn meine 7jährige Tochter mit einem ganzen Brot in der Hand, kauend durch den Laden laufen würde…


Dass ich meinen Kindern gewisse Grenzen setzen möchte, wissen Sie nun also schon. Aber nicht nur das: Ich will sie auch dazu erziehen, nichts von Fremden anzunehmen. Ihre Kekse haben ihm also gezeigt: Ich muss nur laut genug schreien, dann bekomme ich sogar etwas Süßes!


Und das Thema Süßigkeiten wird ja von Außenstehenden auch gerne mal kommentiert. Ehrlich gesagt habe ich schon fast darauf gewartet, auch noch darauf angesprochen zu werden, warum ich denn meinem kleinen Jungen schon Süßigkeiten gebe.


Sie haben es wahrscheinlich sicher nur gut gemeint, aber vielleicht trauen Sie Müttern das nächste Mal einfach zu, dass sie sich bei ihren Handlungen etwas denken, auch wenn es für Sie auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheint!

Mit freundlichen Grüßen,

die Mama mit dem schreienden Jungen 



Wenn dir dieser Post gefallen hat, schau dich gerne noch ein bisschen um und ich würde mich freuen, wenn du mir folgst - egal, ob hier auf dem Blog, bei Facebook, Instagram oder Twitter! 

Kommentare:

  1. Oha, da hätte ich mich auch aufgeregt. Die Kekse hätte ich ihr wiedergegeben. Von Fremden hat man Nichts zu nehmen. Schon garnicht von welchen die so übergriffig sind.

    Liebe Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
  2. Ich gebe dir da total Recht. erstens hat sich die Dame nicht einzumischen, wenn du entscheidest deinem Sohn jetzt nicht das ganze Brot zu geben. (es ist ja nicht, dass die Frau den Eindruck hat, du würdest was essen während dein Sohn vor Hunger schreit).
    und das mit den Keksen ist eine deutliche Grenzüberschreitung. Es kann sein, dass du dein Kind mit wenig Süßigkeiten erziehen möchtest, oder du ihn vegan erziehst oder er eine Laktoseallergie hat. Sie kann ihm nicht ungefragt Süßigkeiten geben... Gebe dir da also vollkommen Recht

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hast du recht, gerade bei Süßigkeiten weiß man ja wirklich nie, ob ein Kind gegen etwas allergisch ist. Aber auch so, sie sollten einfach nicht an jeder Ecke etwas bekommen.

      Löschen
  3. Puhhh, ich raste mal ein bisschen mit aus.
    Meine Tochter (7 und behindert) schreit immer noch den ganzen Laden zusammen - oder eher ich weil sie das will, oder das aus dem Wagen wirft, oder anderen Leuten auch mal den Wagen in die Hacken schiebt an der Kasse.
    Seit Jahren mault sie nach ihrer Brezel und ich erkläre es ihr immer wieder, dass man die Brezel erst essen kann wenn sie bezahlt ist. Dies mache ich auch sehr gerne laut und ungefragt, wenn gerade jemand meint eine Pakung Kekse vor dem bezahlen schon aufzureißen und loszumampfen. Wahrscheinlich sind das Erwachsene, deren Eltern es "nicht so eng" gesehen haben und nix dabei finden.
    Schade, die Dame wird es wohl nicht lesen, man müsste es ausdrucken und in dem Laden aushängen.
    Bei meiner Großen bekam ich auch ab und zu plötzlich solche Süßigkeitenangebote, die ich meist schroff abwies, bei der Kleinen traut sich das wohl keiner, wuahhh, bei Behinderten weiß man ja nie *kicher*
    Weiter so, Kampf der Trotzphase, bald hast Du es geschafft ;-)
    LG
    Martina von Jolinas Welt

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da hat die Reserviertheit gegenüber Behinderten dann doch mal etwas Gutes ;-) Ich stelle mir gerade das Gesicht des Filialleiters vor, wenn ich frage, ob ich den Brief aushängen darf :-D

      Löschen
  4. Versuche es doch :) vorallem wenn es dein Stamm laden ist
    Lg

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...