7. Juli 2017

Wünsche einer Lehrerin an die Eltern



Oftmals wird darüber diskutiert, wie eine gute Lehrerin sein muss, was von ihr erwartet wird und was gar nicht geht.

 
Heute möchte ich den Spieß einmal umdrehen und habe ein paar Wünsche an Eltern aus Lehrersicht formuliert. Wie können Eltern ihr Schulkind unterstützen?



Hierbei handelt es sich um meine ganz persönliche subjektive Wunschliste, die aus meinen Unterrichtserfahrungen in der Grundschule entstanden ist und die mit Sicherheit auch nicht vollständig ist.


Fangen wir mal mit dem Organisatorischen an:


1.   Lest die Elternbriefe, die ihr bekommt und besucht die Elternabende. Nichts ist für Lehrer frustrierender, als wichtige Informationen weitergeben zu wollen, die dann nicht einmal die Hälfte der Eltern überhaupt erreichen!


2.   Sorgt dafür, dass eure Kinder immer ihr Unterrichtsmaterial dabei haben. Fehlt etwas dauerhaft, können eure Kinder nicht richtig mitarbeiten! Gerade die jüngeren Schüler brauchen häufig einfach die Hilfe der Eltern, um ihren Ranzen zu packen. Schauen sie dabei regelmäßig zu, können sie es mit der Zeit dann auch alleine. Und bedenkt auch die Reaktionen der Mitschüler. Versucht sich ein Kind immer und immer wieder Material von anderen zu leihen, nimmt die Hilfsbereitschaft mit der Zeit ab und die Mitschüler sind genervt. Ich finde es schade, wenn schlechte Stimmung entsteht, weil beispielsweise tagelang der Bleistift oder auch das Frühstück fehlt.


3.   Auch Hausaufgaben sollten regelmäßig und vollständig gemacht werden – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die leider nicht immer erfüllt wird. Durch die Hausaufgaben wird das Gelernte geübt und vertieft. Lehrer geben sie nicht auf, um Kinder und Eltern zu ärgern. Ich weiß, das ist der Lehrerspruch, den ihr wahrscheinlich schon tausendmal gehört habt und aus eigener Mama-Erfahrung weiß ich natürlich auch, wie anstrengend es sein kann, mit einem Kind Hausaufgaben zu machen. ;-)


4.   Eine ganz persönliche Bitte von mir: Spitzt die Bleistifte und Buntstifte schon zu Hause. So manches Schulkind könnte Kilometergeld verlangen, weil es so oft zwischen seinem Platz und dem Mülleimer hin- und herläuft.


5.   Gebt euren Kindern keine süßen Getränke mit in die Schule. Ganz davon abgesehen, dass sie ungesund sind: Wisst ihr wie klebrig das Zeug ist, wenn eine Getränkeflasche ausläuft?



Neben dem Organisatorischen finde ich einen offenen Umgang zwischen Lehrern und Eltern sehr wichtig. Geht bei Fragen und auch Kritik offen auf die Lehrer zu. Oft handelt es sich um ein Missverständnis, das im Gespräch schnell geklärt werden kann. Denn die Lehrer wollen  - genauso wie ihr – hauptsächlich eines: das Wohl der Kinder.


Es gibt nämlich kaum etwas Schlimmeres, als wenn Eltern den Lehrern in den Rücken fallen und den Kindern das Gefühl geben, was in der Schule gesagt wird, ist nicht so wichtig.


Noch wichtiger finde ich, dass ihr eure Kinder immer wieder motiviert. Gerade auch bei Misserfolgen. Setzt sie nicht zu sehr unter Druck und versucht gemeinsam mit ihnen zu üben. So lernen sie, dass man sich zwar manchmal etwas durchbeißen muss, sich die Anstrengung aber auch lohnt.


Das wurde jetzt ziemlich viel, aber ich hoffe, ich konnte auf ein paar Dinge aufmerksam machen. Das meiste sollte sich sowieso von selbst verstehen. Zum Schluss möchte ich mit einem Spruch enden, den ich, was Eltern-Lehrer-Beziehungen angeht, sehr passend finde:




Wenn Sie mir versprechen, nicht alles zu glauben, was ihr Kind von der Schule erzählt, verspreche ich Ihnen, nicht alles zu glauben, was es von zu Hause erzählt.




In diesem Sinne: Auf eine gute Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Eltern!




Und nun bin ich wirklich neugierig auf eure Reaktionen und freue mich auf viele Kommentare. Sind das alles Selbstverständlichkeiten, die ihr sowieso automatisch macht? Oder sollte man als Lehrer einfach alles so akzeptieren und den Eltern ihre Freiheit lassen?



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Kommentare:

  1. Ich finde es wichtig, dass so etwas mal offen ausgesprochen wird. Man bekommt immer zu hören, was Eltern erwarten, aber oft eben nicht, was für ein gutes Zusammenspiel zwischen allen Instanzen wichtig ist. Transparenz in alle Richtungen und ein gemeinsames Arbeiten mit und für die Kinder. Schöner Artikel!

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  2. Schön geschrieben. Sollte für alle Eltern selbstverständlich sein.

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  3. ... trefft die Wahl der Schule für euer Kind und nicht für euch! Und ermutigt es die Schule zu wechseln oder eine Klasse zu wiederholen wenn es ganz offensichtlich massive Probleme hat. Es ist keine Schande oder Strafe sondern eine Hilfe für die gesamte weitere Schullaufbahn. Man kann auch mit Real-/Gesamtschule Abi machen wenn es später so sein soll, aber wenn es schon in der 7 hinterher hinkt wird es auf dem Gymnasium nicht glücklich.

    Ich sehe so viele Schüler*innen leiden weil die Eltern unbedingt das Abitur wollen. Man fährt da in Gesprächen gegen die Wand und das ist einfach schrecklich.

    Selbst ohne Abi kann man nach einer Ausbildung häufig studieren. Eltern sehen das Gymnasium oft als einzigen weg, dass 'etwas Anständiges' aus ihrem Kind wird. Dafür muss man kein Abi haben sondern die Unterstützung und Liebe der Eltern.

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  4. Sehr schöne Zusammenfassung. Ich bin keine Lehrerin, bekomme aber von meinem Grundschulkind (Ende 2. Klasse) so einiges mit. Wenn ich ihm nicht immer wieder helfen würde, seine Sachen zu packen- oh mein Gott! :)
    Letztens hatte er von der neuen Packung Tintenpatrone keine mehr für seinen eigenen Füller, weil er immer großzügig alles verteilt :)

    Als Elternsprecher würde ich gerne noch einen Punkt dazu schreiben. In unserer Klasse ist das Elternengagement ziemlich bescheiden. An Elternstammtischen sitzen wir zu viert mit der Lehrerin, von 24 Schülern nur 4 Elternteile? So traurig. Denn grad in lockerer Runde bekommt man ein tolles Verhältnis zum Lehrer und erfährt so einiges vom Schulalltag.

    Tanja

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  5. Das sind wirklich gute Hinweise, manche sollten eine Selbstverständlichkeit sein, etwa das Lesen der Elternbriefe, andere sind einfach gute Tipps für den Schulalltag, wie etwa das Anspitzen der Bleistifte (macht so Sinn! Eine Kleinigkeit, die bestimmt gern übersehen wird und die den Alltag so viel einfacher gestalten kann) Unsere Kleene ist zwar noch nicht so weit, dass sie in die Schule kommt, aber ich fand den Artikel trotzdem interessant und auch respekt- und verständnisvoll den Eltern gegenüber. Danke für die Hinweise.

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  6. Ich finde den Elternbrief hervorragend! Die Tipps sind praktisch und hilfreich und niemand muss sich auf den Schlips getreten fühlen. Das liegt natürlich in erster Linie auch an den treffenden und witzigen Formulierungen der Autorin. Großes Kompliment! Und vielen Dank!

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  7. Den Spruch,Eltern sollen nicht alles glauben was Kinder aus der Schule erzählen, finde ich immer gut zurechtgedreht von Lehrern! Denn nach meiner Erfahrung lügen Kinder nicht und liebe Lehrer, was meine Kinder Euch von zuhause erzählen könnt ihr gerne glauben!!!������

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  8. Also, ersteinmal finde ich den Elterbrief Super! Eine, leider heutzutage, offensichtlich notwendige Auflistung an selbstverständlichkeiten die den Schulalltag für alle beteiligten erleichtert. Das meine Kinder jedoch immer die "Wahrheit" erzählen, so wie wir sie als Erwachsene interpretieren kann ich so nicht bestätigen. Ich will Kinder im allgemeinen, und meine im besonderen nicht als vorsätzliche Lügner darstellen. Oft werden Situationen jedoch ohne wichtigen Kontext, oder in anderer Reihenfolge erzählt, was dann manchmal zu Missverständnissen kommen kann. Wenn man mit offenen Ohren, und der Annahme das der Lehrer das beste für ALLE Kinder in der Klasse will, in ein Gespräch geht, können meist alle Mißverständnisse aus dem Weg geräumt werden.
    Mein Kind geht in die 2te Klasse einer Dörflichen Grundschule. Die Schule hat zwar keinen Kinder- dafür aber leider wie fast Überall Lehrermangel. Zu meinem Absoluten unverständnis wird mir von verschiedenen Lehrern und Betreuungsperonen zu verstehen gegeben das ich mittlerweile zu den seltenen Exemplaren an Eltern gehöre die es der Verantwortlichen Person erlaubt sein Kind bei vorsätzlichem Fehlverhalten Maßzuregeln. Ich frage mich was den Kindern dadurch vermittelt wird? Ich habe den Eindruck das viele Eltern heutzutage vergessen haben das es für das Sicherheits-, Gerechtigkeits-und allgemeine Wohlbefinden ihrer Kinder unfassbar wichtig ist das ihr Verhalten Konsequenzen hat an denen sie sich Orientieren können. Wenn einem Kind die Grenze des tolerierbaren Verhalten aufgezeigt wird, ist das in erster Linie als information an das betreffende Kind, und nicht als abschreckendes Beispiel für alle anderen Kinder gedacht. Ihr Kind muss wissen: Bis hierher und nicht weiter. Das gibt ihm Sicherheit, nicht nur Zuhause, besonders in der Schule, wo viele Kinder und Erwachsene aufeinandertreffen ist es für alle beteiligten wichtig zu wissen an Welche grundsätzlichen Regeln man sich zu halten hat. Kein Lehrer mit einem Körnchen Grips im Kopf würde seinen Beruf aufs Spiel setzen und einem Kind körperlich oder psychisch schaden. Was den Kindern Schadet ist die Einstellung der Eltern das "Mein Kind soetwas nie machen würde!" Es ist eine Bereicherung für das weitere Leben des Kindes wenn es die Erfahrung macht das positives, sowie negatives Verhalten in einer Gruppensituation immer Konsequenzen hat. Schade das das den Kindern vorenthalten wird.
    Lehrer werden oft so wenig Geschätzt für das was sie Leisten, und oft wird angenommen das man als Eltern besser weiß wie man mit Kindern umgeht- man hat ja schließlich drei Ratgeber gelesen! Was absolut gleichzusetzen ist mit einen Studium!
    VIELEN DANK AN ALLE LEHRER DIE SICH SO AUFOPFERND UM UNSERE KINDER KÜMMERN, und vesuchen zu retten was noch zu retten ist. Leider oft ohne die unterstützung der Eltern, die vorgeben das beste für ihre Kinder zu wollen.

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